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 Nur für einen Winter |
von Britta Pfeffer, Dortmund
11.01.2004 |
Es war im April '99. Ich war wieder mal im Katzengarten und kümmerte mich um Zausel, den Chefkater und
seine Gefolgschaft. Ich heiße Britta und bin seit fast acht Jahren im Tierschutzverein Lünen aktiv. Der Katzengarten ist dort
die größte Anlaufstelle und wird von uns Aktiven liebevoll so genannt.
Heute Mittag sollte Zuwachs kommen, zwei Hasen
umständehalber abzugeben. Es war ein herrlicher Tag. Die Sonne schien und die Arbeit machte Spaß. Und die zwei Hoppel, Rambo
und Max genossen ihren ersten Tag an der frischen Luft. Max fand zwei Wochen später ein neues Zuhause und hieß fortan Mimi.
Rambo, ein dreijähriges Weibchen und pechschwarz verbrachte den ganzen Sommer im Katzengarten.
Es wurde November. Die Tage
grau, die Nächte kalt und Rambo immer noch nicht vermittelt. Den ganzen Sommer über habe ich zu Bobo, wie ich sie liebevoll
nannte eine besondere Beziehung aufgebaut. Wie besonders, sollte ich erst später erfahren. Es war ein Samstag morgen. Der Wind
pfiff ums Haus und draußen regnete es. Ich stand mit einer Tasse Kaffee am Fenster und dachte an Bobo. Da saß sie nun in ihrem
Käfig, ganz allein. Kurzentschlossen zog ich mir was an, sprang in den Wagen und fuhr zu ihr. Ich schnappte mir Bobo samt
Käfig und nahm sie mit zu mir nach Haus.
Nur für einen Winter, so erklärte ich es der Geschäftsführerin des Tierschutzvereins.
Bobo fühlte sich vom ersten Augenblick an wohl bei mir. Für mich war es eine neue Erfahrung, hatte ich doch bisher mein Leben
immer mit einer Katze geteilt. Von Nagetieren hatte ich keine Ahnung. Aber Bobo brachte mir bei, was ich wissen musste. Da
ich ein Gegner von Käfighaltung bin, hatte sie selbstverständlich Zugang zu allen Winkeln der Wohnung. Es dauerte zwei Tage
da hat sie mir gezeigt, wie man mit Leichtigkeit und mit Hilfe der Schneidezähne die Bespannung des Sessels löst. Leicht
erbost, aber froh über mehr Stellplatz im Wohnzimmer, nahm ich das relativ gelassen hin. Danach brauchte sie keine Woche um
mir zu demonstrieren, wie man den Rest der Couchgarnitur auf die Hälfte reduziert. Ich war dem Wahnsinn nahe, schlimmer noch.
Ich tat das falscheste was möglich war. Ich brachte sie noch am selben Tag in den Katzengarten zurück. Tage später stehe ich
wieder am Fenster und sehe hinaus, dasselbe Bild. Draußen kalt und windig, ich mit einer Tasse Kaffee und einem Gewissen so
schlecht, dass es mich die letzten Tage nicht im Stich ließ. Erneut spring ich in den Wagen und fahre zu ihr. Da saß sie nun
in der Ecke ihres Käfigs und verstand die Welt nicht mehr. Und wieder nahm ich sie mit zu mir nach Hause. Diesmal für immer
wie sich später herausstellte.
Wieder bei mir tat sie, als sei sie nie weggewesen. Von nun an war sie das wertvollste in der
Wohnung. Noch einige Möbel und Teppiche weichten mit der Zeit. Und sie brachte mir bei wie man den Fernseher ausschalten
konnte, indem man einfach das Kabel durchbiss. Unser erstes Weihnachtsfest vergesse ich nie. Sie half eifrig bei der
Herstellung der Adventsgestecke. Sie kullerte die Kugeln zu mir, welche ich als Deko nehmen sollte. Und die Zweige die sie
markierte, nahmen wir halt nicht. Sie bekam vom Weihnachtsmann eine Kuscheldecke mit Hasenmotiv und jede Menge Leckerlis.
Auch Ostern brachte mir mit ihr nur Freude. Natürlich brachte ihr der Osterhase einen Stoffkumpel namens Hasi und genau so
groß wie sie.
So verging die Zeit. Der Sommer ging und ein neuer Winter stand vor der Tür. In dieser Zeit lernte ich das
wunderbare Zusammenleben mit einem Hasen kennen. Bobo war wie alle Hasen ein Bodengänger. Also verbrachte ich die meiste
Zeit auf allen Vieren in ihrer Nähe auf dem Fußboden. Die Couch reichte eh nicht mehr für zwei. Ich sah von dort aus fern
und nahm wie sie meine Mahlzeiten in Teppichnähe ein. Wir tollten jeden Abend herum und ich gewann zunehmend an
Beweglichkeit im Rückenbereich. Auch ein Schlaflied hatte ich eigens für sie komponiert und sang es ihr, bevor sie in ihr
Haus ging was früher ihr Käfig war. Ich hatte zuhause nur Augen für sie.
Diese für mich unvergessliche Zeit dauerte nur
dreieinhalb Jahre. Eine plötzlich auftretende Krankheit nahm mir meinen geliebten Wonneproppen. Heute denke ich so manches
Mal. Wäre ich nicht damals im Tierschutzverein gewesen, hätte ich später nicht von diesem wunderbaren Erlebnis berichten
können. Und davon gibt es noch genug, wie mir mein Lieblingskater Zausel beweist. Wenn ich im Katzengarten bin besuche ich
mit ihm Bobo´s Grab.
Ich habe sie wieder hierher zurückgebracht, es war ja nur für einen Winter.
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